Von den Nachkriegsjahren bis zum Neubau diente uns unser altes Schützenhaus als Zuhause und Ort unvergessener Stunden
Unser Schützenhaus in der Zeit von 1945 bis 2012
Neubau des Schießstandes und neues Erbbaurecht (1953/54)
Nach Kriegsende diente die Garderobe zunächst als Flüchtlingsunterkunft, die Wirtschaftsräume wurden für die Gerberei Pralle beschlagnahmt. Da sich das Schützenhaus nach der Räumung in einem schlechten Zustand befand, verpachtete der Verein es für 17 Jahre pachtfrei an Gastwirt Franz Buhr, der es im Gegenzug instand setzen und halten musste.
Im Mai 1953 bat die Schießkommission den Vorstand erstmals um einen „einwandfreien Schießstand, der auf viele Jahre den Bedürfnissen des Vereins voll entspricht“. Bereits am 6. Dezember 1953 genehmigte eine außerordentliche Generalversammlung den Neubauplan; finanziert wurde er über Schuldscheine à 20 DM sowie ein Darlehen. Ziel war die Fertigstellung zum Schützenfest 1954 – ein bei der Schlussabrechnung festgestellter Fehlbetrag von rund 2.000 DM wurde über eine Umlage von 10 DM je Mitglied gedeckt.
Parallel dazu handelte der Vorstand einen neuen Erbbaurechtsvertrag mit der Gemeinde aus, der am 4. August 1954 rückwirkend zum 1. Januar 1954 für 99 Jahre und einen Erbbauzins von 50 DM jährlich abgeschlossen wurde. Er umfasste nun eine Gesamtfläche von 20.978 qm, da zusätzlich die südlich des Bretbeck bis zum Alten Moorweg gelegenen Gärten einbezogen wurden.
Neuverpachtung, Saalanbau und Küchenneubau (1960er-Jahre)
Am 3. Mai 1959 beschloss die Mitgliederversammlung, künftige Bauarbeiten am Schützenhaus an Handwerker zu vergeben statt sie in Eigenleistung zu erbringen, finanziert über Umlagen.
Nach der Wirtin Gödeke (ab 1892) und H. Maack (1895–1898) bewirtschafteten ab 1899 durchgehend die jeweiligen Eigentümer des Hotels Buhr das Schützenhaus. Bei der 1962 fälligen Neuverpachtung bot Schützenbruder Günter Peters, Eigentümer des Hotels Niedersachsen, 3.000 DM Jahrespacht. In der Mitgliederversammlung vom 4. November 1962 entwickelte sich daraufhin eine lebhafte Diskussion über einen festen Saalanbau anstelle des bisherigen, „stets ungemütlichen” Zeltanbaus – der Pächter erklärte sich bereit, im Gegenzug 3.600 DM statt 3.000 DM zu zahlen. Der Vorstand erhielt ohne Gegenstimme den Bauauftrag und konnte den Anbau mit einem Kostenaufwand von 28.000 DM bereits zum Schützenfest 1963 fertigstellen – viele Mitglieder, besonders Handwerker, halfen dabei unentgeltlich mit.
1965 folgte die mit einer Umlage von 30 DM pro Mitglied finanzierte Erneuerung der Tanzfläche, 1967 der lange überfällige Küchenneubau, wofür ein Darlehen über 20.000 DM aufgenommen wurde.
Das Schützenhaus wird „Mehrzweckhalle” (1968)
Ein einschneidendes Kapitel der Vereinsgeschichte begann am 1. Mai 1968: Auf der Mitgliederversammlung ging es um die Schaffung eines „Kultur- und Sportzentrums” in Jesteburg – vorangetrieben besonders vom damaligen Gemeindedirektor und Schützenbruder Emil Bartz. Das bislang nur an fünf Tagen im Jahr genutzte Schützenhaus sollte stärker der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Bereits am 28. Januar 1968 hatte der Vorstand beschlossen, Verhandlungen mit der Gemeinde aufzunehmen: Diese sollte das Schützenhaus übernehmen, zur Mehrzweckhalle umgestalten und im Gegenzug die bestehenden Bankverbindlichkeiten des Vereins von insgesamt 50.000 DM übernehmen.
Im Ergänzungsvertrag vom 18. April 1968 wurde dem Verein zugleich das alleinige Nutzungsrecht der von ihm errichteten Schießsportanlage (Schießstand und Schießhalle) sowie ein grundsätzliches Vorrangrecht bei der Nutzung der Gebäude für Vereinsveranstaltungen zugesichert. Die Mitgliederversammlung nahm den Vertrag einstimmig an; gleichzeitig wurde der Erbbaurechtsvertrag von 1954 aufgehoben.
Am 10. November 1968 stellte Architekt und Schützenbruder Karl Schröder die inzwischen als „völlig veraltet” geltende Schießsportanlage vor – auch der Kreisverband forderte eine Modernisierung, da Jesteburg sonst keine überörtlichen Leistungswettkämpfe mehr hätte ausrichten können. Die kostenaufwendige Umgestaltung wurde einstimmig genehmigt und mit großer Unterstützung der Mitglieder bis zum Frühjahr 1969 abgeschlossen. 1971 folgte im Zusammenhang mit dem Bau einer Kegelbahn der Ausbau des Pistolenstandes.
Der Luftgewehrschießstand (1979–1982)
Am 9. November 1979 beschloss die Mitgliederversammlung nach langer Diskussion den Bau eines eigenen Luftgewehrschießstandes mit 10 Ständen, ausgelegt auch für den Dreistellungskampf. Ziel war es, eine solide Grundlage für die Jugendarbeit zu schaffen – die bisherigen provisorischen Luftgewehr-Schießmöglichkeiten in Reindorf und am Kleinkaliberstand galten aus Sicherheitsgründen als nicht mehr vertretbar.
Am 15. Mai 1981 erfolgte die Grundsteinlegung, am 14. August 1982 die Einweihung des in mehreren Bauabschnitten errichteten Standes. Im ersten Bauabschnitt wurde zugleich eine rund 140 m lange Betonrohrleitung zum Bretbeck verlegt, die die Entwässerungsprobleme am Kleinkaliberschießstand, an der Festhalle und beim Reitverein löste. Von den insgesamt 225.000 DM Baukosten kamen 2.450 DM vom Landessportbund, 5.700 DM vom Kreissportbund, 25.000 DM vom Landkreis Harburg, 40.000 DM von der Gemeinde Jesteburg und 10.000 DM vom Reit- und Fahrverein Nordheide; der Rest von 141.850 DM wurde über Eigenmittel, Darlehen, Eigenleistungen und private Spenden gedeckt.
Königstafel, Renovierung und neue Grundstücksordnung (1983–1989)
Als erste Maßnahme zur Renovierung des Kleinkaliberschießstandes wurde die Eingangshalle umgestaltet – Kernstück war die von den Mitgliedern lang gewünschte, aus Eichenholz geschnitzte Königstafel, eingeweiht am 28. August 1983.
Am 26. Oktober 1984 genehmigte die Mitgliederversammlung den Ausbau und die Renovierung des Kleinkaliberschießstandes sowie den Bau eines Gemeinschaftsraumes – mit dem Ziel, die Arbeiten bis zur 125-Jahr-Feier des Vereins abzuschließen. Geplant waren unter anderem ein zusätzlicher Zugang zu den Ständen im Untergeschoss, ein Geräteraum, eine bauliche Abtrennung der Kleinkaliberstände vom Publikumsverkehr, ein separater, sicherheitsgerechter Gewehr- und Munitionsraum sowie ein wärmeisolierter Gemeinschaftsraum mit Fahnenschrank im Obergeschoss.
Am 23. Juni 1986 schloss der Verein mit der Gemeinde einen neuen, auf die eigentliche Schießsportanlage bezogenen Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre ab – diesmal mit einer Gesamtfläche von 2.328 m². Damit ging die Schießsportanlage in das Eigentum des Vereins über, verbunden mit dem Recht, sie entsprechend seiner satzungsgemäßen Zwecke zu nutzen und zu verändern. Zugleich erhielt der Verein das kostenlose Nutzungsrecht der Festhalle sowie der zugehörigen Park- und Festplätze für seine Veranstaltungen – mit Vorrang für Königsball, Schützenfest, Preisschießen und die Mitgliederversammlungen, sofern der Termin mindestens drei Monate vorher mit dem Pächter der Festhalle abgestimmt wurde.
Am 18. Februar 1988 erwarb der Verein nach längeren Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer Hermann Vick, der Gemeinde und dem Reit- und Fahrverein Nordheide ein 1.049 qm großes, angrenzendes Flurstück für 10 DM je qm. Im Rahmen der Sanierung wurden zudem die bei einer sicherheitstechnischen Prüfung 1986 festgestellten Mängel (Blenden, Kugelfangmauern, Entwässerung) behoben; die Gemeinde bezuschusste die Arbeiten 1986/87 mit 70.000 DM und 1989 mit weiteren 20.000 DM. Am 1. Juni 1989 wurde der renovierte Kleinkaliberschießstand eingeweiht.
Zu diesem Zeitpunkt verfügte der Verein über 10 Stände für Luftgewehr und Luftpistole, 12 Kleinkaliberstände (50 m) sowie 5 Stände für Pistolen (Kaliber .22 und .38) – eine Anlage, die zunehmend auch von Sportschützinnen und Sportschützen anderer Vereine des Landkreises Harburg für überörtliche Wettkämpfe genutzt wurde und sich als wichtige Investition in Nachwuchsarbeit, Jugendförderung und die Außenwirkung des Ortes erwies.
Der Weg zur heutigen Schießsportanlage
Am 31. Oktober 2012 bewilligte der Gemeinderat die Mittel für einen erneuten Schießstandneubau; die Verträge mit Famila und der Gemeinde wurden ausgearbeitet und unterschrieben. Am 21. November 2015 fand das Richtfest für den neuen Schießstand „Am Alten Moor 10″ statt. Am 1. Februar 2016 wurden Festhalle und alter Schießstand abgerissen. Am 5. Mai 2017 fand mit der Frühjahrsversammlung die erste offizielle Veranstaltung in der neuen Schießsportanlage statt, und am 27. Januar 2018 wurde sie im Rahmen einer Feier mit 250 Gästen offiziell eingeweiht.
Wie es zu diesem großen Neubauprojekt kam und was die heutige Schießsportanlage ausmacht, lesen Sie im dritten Teil dieser Geschichte des Schützenhauses.
