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Jesteburger Schützenverein von 1864 e.V.

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Jesteburger Schützenverein von 1864 e.V.
Jesteburger Schützenverein von 1864 e.V.
Gut Schuss!

Die Reitbahn – Ursprung des Jesteburger Schützenwesens

Der erste Übungs- und Festplatz der Jesteburger Schützen lag nördlich der Lüllauer Straße, im Bereich der heutigen Straßen „Riedbahn” und „In der Koppel”. Nach überlieferten Erzählungen diente das Gelände in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Reit- und Übungsplatz für Reservisten aus der ländlichen männlichen Bevölkerung, die in den Wintermonaten zur militärischen Aus- und Weiterbildung verpflichtet wurden. Wer nicht aus der näheren Umgebung stammte, war in Privatquartieren untergebracht; die mitgeführten Pferde standen in einem Stall an der heutigen Ecke Lüllauer Straße/Brückenstraße.

Der älteste bekannte urkundliche Beleg für das Jesteburger Schützenfest findet sich in den „Harburger Anzeigen und Nachrichten” vom 21. Mai 1864: Dort wurde das Programm für das Fest am 5. und 6. Juni desselben Jahres veröffentlicht – durchgeführt „in der sogenannten Reitbahn zu Jesteburg”. Dieses Gelände nutzte der Verein bis 1875.

Die Verlegung an den Bretbeck (1875)

Durch den Bau der Eisenbahnlinie Buchholz–Lüneburg in den Jahren 1872/73 wurde aus Sicherheitsgründen die Verlegung des Schützenplatzes notwendig: Schüsse nach dem auf einer Stange stehenden Vogel und mögliche Fehlschüsse hätten die vorbeifahrenden Züge gefährdet. Die Gemeinde Jesteburg verpachtete dem Verein daraufhin am 26. Mai 1875 einen am Bretbach gelegenen, „ca. 11/14 Hektar” – also etwa 7.857 qm – großen Gemeindeplatz, die sogenannte Schweineweide, für 50 Jahre.

Landkartenausschnitt – Reichsamt für Landesaufnahme

Der Pachtvertrag im Wortlaut gibt einen anschaulichen Einblick in die damaligen Bedingungen:

„§1 Die Ortschaft Jesteburg verpachtet dem Schützenverein daselbst einen am Brettbache belegenen ca. 11/14 Hecktar großen Gemeindeplatz, die sogenannte Schweineweide, für ein jährliches Pachtgeld von Vierundzwanzig Mark […] für den Zeitraum von fünfzig Jahren nämlich vom 1sten Juni 1875 bis dahin 1925. §2 Der Jesteburger Schützenverein hat das Recht auf dem gemietheten Gemeindeplatze ein Schützenzelt zu erbauen, alljährlich […] Festlichkeiten und Schützenfeste dort abzuhalten, nach dem Vogel und der Scheibe zu schießen und alle zu diesem Zwecke nöthigen Vorkehrungen zu treffen […] §3 Eine Kündigung dieses Contracts […] steht der Ortschaft Jesteburg nicht zu, wohl aber hat der Schützenverein das Recht, denselben zu jeder Zeit aufheben zu dürfen.”

Unterzeichnet wurde der Vertrag von H. B. Maack für den Schützenverein und Gemeindevorsteher C. Bockelmann.

Die vorhandenen Gebäude wurden auf den neuen Platz verlegt – der Verein hatte danach eine Schuldenlast von 1.451 Mark, die auch 1891 noch bestand. Das Schützenhaus selbst war ein leichter Holzbau ohne Fenster, nur mit Klappen, die abends geschlossen wurden. An der Theke standen Tische auf gestampftem Lehmboden; die Tanzfläche hatte einen Holzfußboden, seitlich saßen die Mädchen auf in den Sandboden eingelassenen Bänken, während die Jungen meist an der Theke standen.

Der Neubau von 1895

Erste Überlegungen zur Verbesserung der „baulichen Verhältnisse” gab es bereits am 1. Mai 1892, als über eine Beitragserhöhung von 4 auf 5 Mark diskutiert wurde. Erst zweieinhalb Jahre später, am 25. November 1894, befasste sich der achtköpfige Vorstand konkret mit dem Neubau – die Abstimmung ergab 6 zu 2 Stimmen dafür. Gleichzeitig beschloss man, die Gemeinde um Verkauf oder eine 100-jährige Erbpacht (24 Mark/Jahr) zu ersuchen und die Finanzierung neben einer Beitragserhöhung über „Antheilscheine” à 25 Mark – auch an Nichtmitglieder – sicherzustellen.

Am 31. Dezember 1894 beschloss die Generalversammlung den Neubau mit „großer Majorität” und setzte eine Baukommission aus Vorstand und den Mitgliedern Herm. Kröger, P. Meyer und H. Albrecht ein. Diese legte am 5. Januar 1895 die Maße fest: 29,20 m Länge, 15,20 m Breite, auf eichenen Schwellen und in Steinfachwerk aus gesundem Kiefernholz. Zimmermeister H. Bahlburg erstellte den Bauplan gegen 20 Mark Vergütung. Die kalkulierten Kosten von 6.128,99 Mark durften 6.500 Mark nicht übersteigen; am Ende schloss das Vorhaben mit 6.460 Mark ab. Das alte Schützenhaus wurde in Parzellen für insgesamt 144 Mark verkauft.

Zur Finanzierung trugen neben dem Verkaufserlös 240 verkaufte Antheilscheine à 25 Mark (4 % Verzinsung, Rückzahlung über 18 Jahre) bei. Ein Rechenschaftsbericht von Georg Heinrich Maack vom 1. August 1907 weist das Vereinsvermögen zu dieser Zeit wie folgt aus: 9.750 Mark Gebäudewert (Taxe 1895), 850 Mark Inventarwert und 656 Mark Sparkassenguthaben – abzüglich 2.220 Mark verbliebener Antheilscheine ein Vereinsvermögen von 9.036 Mark.

Am 4. Juli 1907 wurde der Pachtvertrag – „wegen Neubau von Vereinsgebäuden” – um weitere 100 Jahre verlängert: vom 1. Juni 1925 bis zum 1. Juni 2025.

Elektrisches Licht, Erweiterung und Zwischenkriegszeit

Im Mai 1911 beschloss der Verein den Umstieg von Petroleumlampen auf elektrisches Licht. Die Firma Vincke & Walk aus Wulfsen führte die Arbeiten bis zum Schützenfest aus; finanziert wurde dies wiederum über Antheilscheine. Den Strom lieferte die Firma Wilhelm H. Bahlburg aus Jesteburg über eine betriebseigene Lokomobile – über dieses Netz wurde damals ein Großteil der Jesteburger Landwirtschaftsbetriebe, Wohnhäuser und Gaststätten versorgt. Bei besonderen Anlässen wie den Königsbällen im Hotel Buhr sorgten sogar Lehrlinge der Firma Bahlburg als Heizer dafür, dass die Stromversorgung auch nachts sichergestellt war.

Durch den erheblichen Mitgliederzuwachs – 1900 zählte der Verein 107, 1913 bereits rund 140 Schützen – wurde eine Erweiterung nötig. Am 7. Januar 1913 beschloss eine außerordentliche Generalversammlung die Vergrößerung von Saal und Schießhaus sowie den Bau von Küche und Keller, mit einem Kostenrahmen von 3.350 Mark, umgerechnet heute etwa 22.110 Euro.

In den 1920er-Jahren bereitete die Bauunterhaltung zunehmend Sorgen: 1925 musste der Verein rund 1.000 Reichsmark (heute ca. 4.700 Euro) für die Instandsetzung der elektrischen Anlage und Malerarbeiten als Kredit aufnehmen; 1927 wurde die Erneuerung der Tanzfläche wieder über gestaffelte Anteilscheine (20 und 50 RM) finanziert.

1928 teilte der Landrat des Kreises schriftlich mit, dass die damals sechs Stände umfassende Schießanlage nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entsprach. Der Vorstand ließ – zunächst ohne Zustimmung der Generalversammlung – umgehend Traversen und weitere Sicherheitsmaßnahmen anbringen; die nachträgliche Genehmigung der Kosten erfolgte einstimmig am 2. Mai 1930, nachdem die Mitglieder über die guten Einnahmen der neuen Stände informiert worden waren.

1933 bis 1945

Am 21.10.1938 beschlagnahmt Reichsstelle für „Getreide, Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse“ das Schützenhaus für die Einlagerung  600 Tonnen Getreide. Anschließend wird es ab dem 26.02.1941 zur Lagerung von Funierholz von der Firma J.H. Dubbers aus Hamburg bis Ende des Krieges genutzt.

Nach Kriegsende diente die Garderobe zunächst als Flüchtlingsunterkunft, die Wirtschaftsräume wurden für die Gerberei Pralle beschlagnahmt. Da das Haus in schlechtem Zustand war, verpachtete der Verein es für 17 Jahre pachtfrei an Gastwirt Franz Buhr, der es im Gegenzug instand setzen und halten musste.

Schlagworte: #Geschichte#Schießanlage#Schießsportanlage#Schützenhaus#Tradition#Verein

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